Wir treffen Entscheidungen, die auf standardisierten Verhaltensmustern basieren, den sogenannten Behavior Patterns. Diese bestehen hauptsächlich aus Heuristiken, also gedanklichen Abkürzungen oder Faustregeln, um Entscheidungen oder Probleme zu lösen. Jeder von uns wendet Heuristiken an, um Entscheidungen zu treffen, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Heuristiken werden angewendet, wenn keine alternative Lösungsstrategie zur Verfügung steht oder keine Zeit vorhanden ist.
Um ein Verhaltensmuster zu aktivieren, braucht es einen oder mehrere Trigger. Diese Trigger werden auf der Oberfläche der Anwendung unauffällig platziert. Ziel ist es dass Nutzer, ihre Ziele auf einer Website mit wenig kognitivem Aufwand erreichen. Durch das Wissen dieser Verhaltensmuster kann dadurch die User Experience und Usability erhöht werden. Jedoch sollte natürlich der Einsatz der Behavior Patterns nicht gegen das Interesse der Nutzer sein.
Der Entscheidungsprozess lässt sich aufteilen in die Abschnitte Awareness, Decision-Making und Retention. Im folgenden wird für jede Phase ein Behavior Pattern vorgestellt.
Awareness
Gaze-Cueing Effect/Visual Cueing Effect
In diesem Effekt geht es um die Richtung von Blicken oder Gesten der Menschen. Wenn zum Beispiel Personen auf einem Foto auf einen Textblock zeigen, richtet sich die Aufmerksamkeit des Betrachters automatisch darauf. Das Gleiche passiert beim Visual Cueing Effect: Hier lenken Grafiken, Formen und Pfeile die Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung.
Decision-Making
Paradox of Choice
Es wurde wissenschaftlich erforscht, dass mehr Auswahlmöglichkeiten zu mehr Überforderung und längeren Entscheidungszeiten führen. Dies basiert auf dem „Paradox of Choice“ von Barry Schwartz und dem Hickschen Gesetz von William Edmund Hick. Obwohl Nutzer eine Vielzahl von Funktionen in einer Anwendung wünschen, sollte die Auswahl in Anbetracht dieser Erkenntnisse begrenzt sein. Das Pattern kann angewendet werden, indem auf der Landing-Page nur wenige Produkte in einer Liste angezeigt werden. Filter- und Vergleichsoptionen unterstützen dieses Prinzip ebenfalls.
Retention
Endowed Progress Effect
Die Motivation ein Ziel zu erreichen, steigt, wenn bereits ein Fortschritt gegeben ist. Wenn der Weg zum Ziel jedoch unvollständig ist, entstehen kognitive Spannungen. Um diesen Effekt zu nutzen, kann ein Punktesystem eingesetzt werden. Kunden könnten vor dem Kauf bereits Punkte erhalten, z. B. beim Einrichten eines Kontos. Im Bestellprozess könnte der erste Balken bereits ausgefüllt sein, um den Käufer mitten im Prozess zu zeigen.